Mich selbst mit dem Thema „Fehler machen“ auseinandersetzend, habe ich die Teilnehmenden meiner Kurse gefragt, was sie mit „Fehler machen“ in Verbindung bringen. Die Vielfalt ihrer Antworten hat mir geholfen, das Machen von Fehlern in einem neuen Licht zu sehen. Vielleicht findet auch ihr unter den nachfolgenden Antworten etwas, dass euch inspiriert und euch eure eigene Fehler, wie auch die der anderen mit neuen Augen sehen lässt …
- sich verbessern bzw. es das nächste Mal besser machen, lernen, eine gewohnte Kontrolle loslassen, ein Minenfeld, Umgang mit Frustration und Perfektionismus, lachen, fluchen, „Scho wieder!“, „Wiiter mache, nöd uufgeh!“, „Nobody is perfect“, „Dem Lehrer die Schuld geben, dass er es einem falsch beigebracht hat“, Dankbarkeit für die Erfahrung, Selbstzweifel, Selbstvorwürfe, Schuldgefühle, aus der Bahn geworfen werden, geduldig mit sich selbst sein, inne halten, unzufrieden sein, sich nicht verurteilen, es bereuen, „Es hat irgendwie so sein müssen“, Fehlertoleranz entwickeln, zusammen klären, was vorgefallen ist, eine zweite Chance bekommen …
Mich persönlich besonders berührt, hat der Hinweis einer Kursteilnehmerin, dass im Wort „Fehler“ die gleichen Buchstaben wie im Wort „Helfer“ enthalten sind. Ja, ich finde auch, dass Fehler – sofern sie als solche erkannt und angenommen werden – uns zu neuen Ein- und dann vielleicht auch Aussichten verhelfen können, die uns dann im Leben weiter bringen. Vom Gefühl her etwa so, wie wenn man aus dem trüben Nebelmeer herraus an die warme Sonne kommt.
Und vielleicht sind es ja gerade die grossen, schwerwiegenden Fehler, die einem besonders stark auf die Sprünge helfen und einen dann erst recht zu wegweisenden Veränderungen im Leben befähigen … So dankbar und wertvoll ist es, wenn es dann nochmals eine zweite Chance gibt, um das Gelernte dann auch wirklich im Leben umsetzen zu können. Doch woher weiss man, ob die dabei gemachte Lernerfahrung eine für sich selbst und sein Umfeld wirklich gute und gelungene ist? Hierzu meinte Wolf Büntig, ein Pionier der humanistischen Psychologie, dass jede Erfahrung eine gelungene sei, wenn durch diese die eigene Liebes- und Beziehungsfähigkeit wachsen konnte. Und dies – so scheint es mir – kann nur stattfinden, wenn man mutig und bereit ist auf sein Herz zu hören und sein Ändern zu leben.

